Autos aus den 1930er Jahren erzählen ihre Geschichte am besten
nicht nur in Museen. Wer das Glück hat, einen echten
Oldtimer besitzen zu dürfen (Vorkriegsfahrzeuge werden
übrigens als "Veteran" und nicht als Oldtimer bezeichnet),
erlebt historische Eigenheiten, Innovationen sowie einen
besonderen Klang und damit das besondere Gefühl, mit ihnen
unterwegs zu sein.
Ein kleiner englischer Wagen mit großer Ausstrahlung. Da er seinerzeit nach Dänemark exportiert wurde, hat er Linkslenkung, was für dieses Fahrzeug heute nur sehr selten zu finden ist. Nach langer Standzeit ist der Morris heute wieder fahrbereit und erinnert daran, wie viel Charakter in einem einfachen, gut gemachten Automobil liegen kann.
Der Morris Eight war ein Kleinwagen – eine preisgünstige Alternative zum Austin Seven und zum Ford Model Y. Sein Erfolg kam für Morris zur rechten Zeit: Die bisherigen Kernmodelle, die größeren Baureihen Oxford und Cowley, verkauften sich in der Weltwirtschaftskrise zunehmend schleppend; die Marktanteile sanken. Der Morris Eight leitete die Wende ein und führte Morris wieder an die Spitze des britischen Automobilmarktes.
3-Gang-Schaltung, die Gänge 2 und 3 sind synchronisiert (d.h. sie benötigen kein Zwischengas zum Schalten).

Der Morris eignet sich besonders für den ruhigen Stadtverkehr, da er ab ca. 60 km/h gern ins Schlingern gerät. Bei dieser Gelegenheit bitte ich um Nachsicht, wenn es bei Über-Land-Touren daher leider nicht so schnell gehen kann wie von Ihnen vielleicht gewünscht.
Eine deutsche Limousine, ebenfalls aus der Zeit vor dem Krieg – mit eigenständiger Technik, klarer Form und der für diese Epoche typischen unmittelbaren Verbindung von Fahrer und Maschine. Der Adler besitzt sagenhafte 2 PS mehr als der Morris: 25. Dennoch (oder vielleicht gerade deshalb) schafft der Adler auf seinen Touren auch heute noch 70-80 km/h ohne erkennbare Probleme.

4-Gang-Lenkradschaltung, unsynchonisiert (d.h. Zwischengas zum Schalten ist notwendig; mit etwas Übung kann man die Gänge ohne Zwischengas hochschalten).
Der Adler Trumpf Junior 1E war für seine Zeit ein erstaunlich fortschrittlicher Kleinwagen, denn seine Konstruktion besaß statt des damals noch üblichen Hinterradantriebs einen Frontantrieb und Einzelradaufhängung.
Im Vergleich zum Morris zeigt der Adler, wie unterschiedlich deutsche und englische Kleinwagen jener Zeit konstruiert sein konnten: hier die moderne, technisch eigenständige Adler‑Lösung mit Frontantrieb, dort der bewusst einfach gehaltene, robuste Morris Eight.
Beim Adler verlangt die unsynchronisierte Gangschaltung noch bewusste Arbeit mit Zwischengas und Doppelkupplung. Der Morris besaß dagegen bereits ein teilsynchronisiertes Dreiganggetriebe: Der zweite und dritte Gang ließen sich ohne diese Kunstgriffe schalten; nur der erste Gang blieb unsynchronisiert. Vollsynchronisierte Getriebe setzten sich im Alltagswagen erst deutlich später durch – selbst der Volkswagen Käfer erhielt ein solches erst 1961.
Die unsynchronisierte Gangschaltung des Adler Trumpf Junior ist dabei kein Zeichen technischer Rückständigkeit. Adler setzte mit dem Trumpf Junior bewusst auf ein für die Zeit sehr modernes Frontantriebskonzept: Motor, Kupplung, Getriebe und Differenzial waren zu einer kompakten Einheit im Vorderwagen zusammengefasst; dazu kam die Einzelradaufhängung.
Bei einem preisgünstigen Kleinwagen mit nur drei oder vier Gängen war die damals allgemein vertraute Schalttechnik mit Zwischengas und Doppelkupplung ein vertretbarer Kompromiss. Der technische Aufwand floss an anderer Stelle in die fortschrittliche Gesamtkonstruktion und das Fahrverhalten. Der Trumpf Junior war damit kein Hinterwäldler, sondern ein eigenständiger, konsequent auf Frontantrieb ausgerichteter Entwurf – und wurde mit mehr als 80.000 gebauten Exemplaren zum erfolgreichsten Adler‑Frontantriebsmodell.
Der Verkaufserfolg vom Morris Eight war sogar noch größer. Allein von der Baureihe des Baujahrs von meinem Morris entstanden mehr als 160.000 Exemplare; insgesamt wurde der Morris Eight in seinen verschiedenen Ausführungen über 300.000-mal gebaut.